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Wege zu niedrigen Rücklauftemperaturen (2)

Aktueller Hinweis: Seit Mai 2015 haben die SWM die TAB ("Technische Anschlussbedingungen") für die Messestadt Riem geändert (Quelle). Demnach gilt nun in den Monaten Oktober bis April eine Obergrenze von 40 Grad C für den Wochenmittelwert der Rücklauftemperatur, sonst 55 Grad C.

Betriebsfälle unterscheiden

Bevor man sich einzelnen technischen Lösungsansätzen zuwendet, tut man gut daran, die einzelnen Betriebszustände einer Fernwärme-Heizung zu unterscheiden. In der Praxis kommt es nur auf zwei Betriebszustände an: Raumheizung und Warmwasserbereitung (WWB) oder nur Warmwasserbereitung. Bei der WWB ist zu unterscheiden die reine Temperierphase, um das Warmwasser insbesondere in der Zirkulation im Temperaturbereich um die 55 Grad C halten zu können (thermische Legionellenprophylaxe). Die zweite WWB-Phase ist gekennzeichnet, dass im Zapfbetrieb das einströmende Frischwasser von ca. 10 Grad C auf ca. 55 Grad C zu erhitzen ist.

Ein Grundprinzip aller Konzepte zur Rücklauftemperatur-Absenkung ist es, Heizkreis und WWB nicht parallel zu betreiben, sondern - mehr oder weniger trickreich - hintereinander zu schalten.

Rücklauftemperaturabsenkung im Heizbetrieb

Der Rücklauftemperaturabsenkung im Heizbetrieb kommt energetisch die größere Bedeutung zu, weil in diesen Phasen die Leistung der Geothermie besonders gefordert ist. Auch hier gibt es eherne Regeln: einmal durch größere Heizflächen insgesamt ein niedrigeres Temperatur-Niveau zu erreichen. In jedem Fall muss aber durch den so genannten hydraulischen Abgleich dafür gesorgt werden, dass jeder Heizkörper in jeder Phase ausreichend Wärme bekommt. Vorteilhaft sind dabei Heizkörper, die einen hohen Durchflusswiderstand aufweisen. Eng damit verbunden ist die Regel, nicht zuviel Heizmedium umzuwälzen, weil auch dies zu einer unvollständigen Auskühlung und damit einer erhöhten RLT führt. Moderne, geregelte Umwälzpumpen sind hier sehr hilfreich. Zum Thema "Hydraulischer Abgleich" gibt es online eine Reihe von anschaulichen Erläuterungen (z. B. auf www.hydraulischer-abgleich.de). Außerdem sei hier nochmals auf das SWM-Merkblatt zur Absenkung der RLT (PDF-Version) hingewiesen.

Letztlich kann jede fachgerecht ausgelegte Heizungsanlage durch Einstellmaßnahmen dazugebracht werden, eine interne RLT von ca. 40 Grad C zu liefern. Dies ist eine gute Bedingung, dass die netz-seitige RLT unter 45 Grad C liegt.

Kritisch: Warmhaltebetrieb

Die derzeit herrschende Fachmeinung ist die, dass in der reinen Temperierphase der WWB, wo nur die geringen Wärmeverluste in der Zirkulation durch Nachheizen auszugleichen sind, Überschreitungen der RLT-Grenze von 45 Grad unvermeidlich sind. Viele Versorger reagieren pragmatisch darauf, in dem sie entweder von vornherein die RLT-Grenze auf 50 Grad C und höher setzen, oder nur für den Mittelwert der RLT 45 Grad C verlangen. Auch saisonale Grenzen sind verbreitet, dass z. B. nur während der Heizperiode eine niedrige RLT verlangt wird.

Aktueller Hinweis: Seit Mai 2015 haben die SWM die TAB ("Technische Anschlussbedingungen") für die Messestadt Riem geändert (Quelle). Demnach gilt nun in den Monaten Oktober bis April eine Obergrenze von 40 Grad C für den Wochenmittelwert der Rücklauftemperatur, sonst 55 Grad C.

EnEff-Forschungsprojekt "LowEx Niedertemperatur-Systeme"

Im EnEff-Forschungsprojekt "LowEx Niedertemperatur-Systeme", das u. a. von der SWM beauftragt wurde, wurden von 2011 bis 2014 mehrere Übergabestationskonzepte auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sind nun veröffentlicht unter [Abschlussbericht LowEx ] [Projektbeschreibung] [Bilderfolge]

Neue Schaltungsprinzipien

Erst in den letzten Jahren ist das Thema "niedrige Rücklauftemperaturen" in der (Fach-)Öffentlichkeit in den Fokus geraten. Auch die SWM haben sich erst in jüngerer Zeit an einschlägigen Forschungsprojekten beteiligt wie PUNEF und [LowEX]. Die Szene ist also noch in Fluss, dennoch gibt es eine Reihe von funktionierenden Ansätzen:

Schneider-Schaltung

Die Vorgängerschaltung der patentierten Schneider-Schaltung ist bereits seit 2007 im Einsatz. Nach Angaben ihres Erfinders, Dipl.-Ing. (FH) Franz Schneider garantiert die neue Schaltung eine Rücklauftemperatur, die über die gesamte Heizperiode immer kleiner als die Rücklauftemperatur des Heizkreises HK ist. Sie zeichne sich zudem durch Robustheit und Wartungsarmut aus.

Schneiderschaltung

Näheres finden Sie auf der Homepage [www.schneider-schaltung.de].

Richter-Schaltung

Seit 2012 wird die patentierte Schaltung der Fa. Richter Pumpentechnik GmbH [www.pumpenrichter.de] eingesetzt. Sie ist ausführlich beschrieben im Vortrag: [Warmwasserbereitung mit Primär-Rücklauftemperaturauskühlung / Trinkwassersystem YADO|AQUA 1*L PR].

Dr.Triesch-Schaltung

Die Schaltung von Dr.-Ing. Frank Triesch wurde 2012 [hier] der Fachwelt vorgestellt.